FCM Geschwader Boelcke beim FCM

Bericht zum Vortrag von Oberst Ingo Gerhartz beim FCM am 14. April 2010


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Jagdbombergeschwader 31 "Boelcke" (JaboG 31 B)

Geschichte des Geschwaders - Einsatz in Afghanistan - Zukunft mit dem Eurofighter

Der Kommodore des in Nörvenich stationierten JaboG 31"B", Oberst Ingo Gerhartz, hielt am 14.04.10 im gut besuchten Clubheim des Fliegerclubs Merzbrück (FCM) einen Vortrag über die Geschichte des Geschwaders, seine Zeit als Kommodore des Einsatzgeschwaders Mazar-e Sharif (Eins G Mes) in Afghanistan sowie über die Einführung des Eurofighters Thyphoon.

Das JaboG 31 "B" ist ein Traditionsverband der Bundeswehr und gehört zu den ältesten fliegenden Einsatzverbänden, denn seine Anfänge gehen auf den 1. Oktober 1957 zurück, als die 1. Staffel auf den Fliegerhorst Büchel (Nörvenich stand wegen Umbauarbeiten zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Verfügung) aufgestellt wurde; die offizielle Indienststellung des Geschwaders fand dann am 20. Juni 1958 auf dem Fliegerhorst Nörvenich statt. Als erster Verband der Luftwaffe wurde das Geschwader am 19. Januar 1959 der NATO unterstellt; im April 1961 erhielt das Jagdbombergeschwader den Zusatz "Boelcke" nach dem Jagdflieger und Pour le Mérite-Träger des 1. Weltkrieges Oswald Boelcke (1891-1916).

Das Geschwader erhielt als erstes Einsatzflugzeug die Republic F-84 F Thunderstreak, welche 1961 durch die Lockheed F-104 G Starfighter ersetzt wurde. Auf den Starfighter folgte 1983 der Panavia Tornado, und dieser wird Ende 2010 durch den Eurofighter Thyphoon abgelöst.

Im Rahmen der Landesverteidigung hat das Geschwader den Auftrag
- Bekämpfung feindlicher Bodenkräfte in der Tiefe des Raumes.
- Bekämpfung feindlicher Luftstreitkräfte und deren Führungsmittel am Boden,
- Luftunterstützung für die eigenen Bodentruppen.

Seit 1. Januar 1996 ist das Geschwader mit einer Staffel an den NATO-Krisenreaktionskräften beteiligt.

All diese Aufgaben erfordern hohe Verfügbarkeit und Einsatzbereitschaft von Material bzw. Personal, die u.a. durch nationale und internationale Übungen sicher gestellt werden. So übte das Geschwader z. B. in Decimomannu (Sardinien), Holloman (New Mexico/USA) (Verlegung dorthin bei mehrmaliger Luftbetankung) und zuletzt 2009 in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Erschwert wird die Einsatzbereitschaft der Flugzeugführer durch die Beschränkung der Pflichtflugstunden auf nur 70 Flugstunden im Monat.

Oberst Gerhartz war vom März bis Oktober 2009 Kommodore des Einsatzgeschwaders Mazar-e Sharif (EinsG MeS) am Fuße des Hindukusch in Nordafghanistan, das im Rahmen der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (International Security Assistance Force, ISAF) im Jahre 2005 ins Leben gerufen wurde, und dem seit März 2007 neben acht C-160 Transall sowie sechs CH 53 GS Hubschrauber auch sechs Recce-Tornados angehören. Im Rahmen des Einsatzgeschwaders haben diese Tornados den Auftrag, Aufklärung und Überwachung aus der Luft über dem gesamten Land für das ISAF-Hauptquartier durchzuführen. Die eingesetzten Tornados verfügen dafür über zwei optische Kameras für senkrechte sowie Aufnahmen schräg in Flugrichtung bzw. Infrarotsensoren in einem Behälter (Recce-Pod) unter dem Rumpf, die es ermöglichen, hoch auflösende Fotos nahezu in Echtzeit noch während des Einsatzes an eine Bodenstation zur Auswertung zu übertragen.

Das Fliegen in Afghanistan, so Oberst Gerhartz, ist besonders unter IFR-Bedingungen recht anspruchsvoll, da der größte Teil des Luftraums unkontrolliert und überfüllt ist. IFR-Flüge erfolgen nach Position Report (per time + position reporting), wobei oft Verständigungsschwierigkeiten wegen rudimentärer Englischkenntnisse auftreten.

Neben der "militärischen Komponente" engagierte sich das EinsG MeS auch im Bereich der Humanitären Hilfe; so wurden z. B. Zeltschulen errichtet und Schulkinder mit Schulranzen, Schreibmaterialien etc. ausgestattet.

Im letzten Teil seines Vortrags ging Oberst Gerhartz auf die Einführung des Eurofighters Thyphoon beim JaboG "Boelcke" ein, den er als "Ferrari der Lüfte" bezeichnete und von dem vier Exemplare seit Dezember 2009 in Nörvenich stationiert sind. Der Eurofighter ist z. Zt. eines der modernsten allwetterfähigen Mehrzweckflugzeuge; dem Piloten werden mittels eines in Sichthöhe angebrachten Head Up Displays (HUD) die wichtigsten aktuellen Flug- und Zieldaten übermittelt. Nimmt er den Blick vom HUD, dann erfolgt die Datenübertragung mittels eines am Pilotenhelm installierten Displays (Helm Mounted Display - HMD). Über das HMD kann der Pilot durch Kopfbewegung bzw. Sprache die Zielerfassung vornehmen und auch Waffen auslösen.

Bis Ende Juni 2010 sollen die Tornados in Nörvenich außer Dienst gestellt werden und dem JaboG 31 Schritt für Schritt insgesamt 35 Eurofighter Typhoon zugeführt werden.

Nach Ende der Ausführungen von Oberst Gerhartz bedankte sich Manfred Wnuck (hier sei auch ihm für die Initiierung sowie Organisation der Veranstaltung gedankt) bei ihm für den interessanten und aufschlussreichen Vortrag; dem Austausch gegenseitiger Geschenke schloss sich ein geselliges Beisammensein an.

(Ulrich P. Nawrocki)


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